Text des Monats Oktober

 


TrioLit - Aphorismen

Wilfried Besser

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Aber man weiß ja, wo das landet, was vorher durch den Magen gegangen ist.

 

Es gibt Paare, die sind von ihrem Polterabend so begeistert, dass sie auch in der Ehe das Werfen mit Tassen und Tellern nicht missen mögen.

 

Behandle mich bitte wie deinen Hund, flehte der Ehemann. Auch ich habe das Recht auf ein bisschen Liebe.

 

Manch junge Frau ist eine Augenweide, auf der ein älteres Rindvieh grast.

 

Humor sollte er haben, stand in ihrer Kontaktanzeige. Der war auch nötig, um sie zu ertragen.

 

Der Hochzeitstag soll der schönste Tag im Leben sein. Für manches Ehepaar ist es der letzte schöne.

 

Im Herbst des Lebens wissen wir, was aus der Euphorie des Frühlings geworden ist.

 

Der Mensch ist wie Wein. Er wird mit den Jahren immer besser – oder ungenießbar.

 

Haltet euch von Klassentreffen fern. Die anderen zeigen uns nur allzu deutlich, wie alt man selbst geworden ist.

 

Ab einem gewissen Alter passen HAPPY und BIRTHDAY nicht mehr so recht zusammen.

 

Wer über der Jauchegrube schwebt, wäre froh, wenn er jetzt kein Bein auf die Erde bekäme.

 

Gesetze, die von Idioten gemacht werden, erfordern ein Leben nach eigenen Regeln.

 

Die Armut ist hierzulande ständig im Steigen begriffen, die geistige nicht einmal mitgerechnet.

 

Vom Vater die Gewalt, von der Mutter die Angst. An diesem Erbe trägt so mancher schwer.

 

Der Mensch nutzt nur einen Teil seines Gehirns. Das erklärt den Zustand dieser Welt.

 

Notlügen sind wie Prosecco im Mineralwasser-Alltag der Wahrheit.

 

Nur wer weiß wo der Hammer hängt, kann den Nagel auf den Kopf treffen.

 

Wer nicht alle Tassen im Schrank hat, muss den Kaffee aus der Kanne trinken.

 

Wo der Wink mit dem Zaunpfahl nicht ausreicht, bedarf es eines kompletten Lattenzauns.

 

Wenn uns die Vergangenheit einholt, war die Gegenwart nicht schnell genug.

 

Wer mit dem Teufel tanzt, ist auch reif für die Hölle.

 

Aus dem „guten Draht nach oben“ kann ganz schnell eine Schlinge werden.

 

Jeder könnte seines Glückes Schmied sein, doch nur die wenigsten sind handwerklich begabt.

Ulrich Dittmar

Auch wenn jeder gelebte Tag zunächst verloren scheint, ist er doch ein Sieg über die Vergangenheit!

 

Wo es Kohle gibt, gibt es auch Koks!

 

Wer alles in Frage stellt, drückt sich vor der Antwort

 

Humor ohne Ernst ist albern

 

Liebe auf den ersten Blick ist dem Blinden nicht möglich

 

Würde Liebe blind machen, gäbe es nur die Liebe auf den ersten Blick

 

Er warf ein Auge auf sie, dafür schenkte sie ihm ihr Ohr

 

Reden ist überflüssig, wenn man die eigenen Gedanken in den Augen des anderen liest.

Helmut Peters

Heute ist ein guter Tag“ dachte  er,

bevor er mit dem falschen Fuß aufstand.

 

Das alle hinschauen hatte er nicht erwartet,

aber erhofft!

 

Wer die Taschen voll hat

ist oft geizig.

 

Fremd geblieben sind MitMenschen,

die in ihrer eigenen Welt leben.

 

 



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AphorismenDominoAuszüge

Schräges



Aphoristische „Finger“übungen

 

Aphorismendomino von fünf AphoristikerInnen.

 

Im regelmäßigen Wechsel bringen wir die Worte ins Rollen – das geht manchmal täglich, manchmal kugeln sie auch etwas länger in der Warteschleife…! Und wir achten (seit einigen Jahren) streng auf die (Domino-)Regeln: Auch wenn es schwierig ist, keine  Wortveränderung beim Anschluss!!

 

Hier einige Beispiele:

Beispielreihe 1

 

Helmut Peters (Recklinghausen)

Durchs Leben geht mancher auf der Gewinner- und viele auf der Verliererseite…

Wilfried Besser (Recklinghausen)

Auf der Verliererseite lebt es sich oft stressfreier, weil man weniger von uns erwartet.

Claudia Brefeld (Bochum)

Uns erwartet im Laufe des Lebens mehr, als wir jemals von einer Wahrsagerin wissen möchten.

Ulli Dittmar (Billerbeck)

Von einer Wahrsagerin wissen möchten wir nur das, was irgendwie Gewinn bringt.

Helga Schäferling (Donauwörth)

Was irgendwie Gewinn bringt kann irgendwann ganz schnell zum Verlustgeschäft werden.

Helmut Peters (Recklinghausen)

Zum Verlustgeschäft werden Transaktionen, die nur darauf beruhen, den eigenen Vorteil zu sichern.

Wilfried Besser (Recklinghausen)

Den eigenen Vorteil zu sichern ist das oberste Gebot zahlreicher Politiker und Firmenbosse.

Claudia Brefeld (Bochum)

Politiker und Firmenbosse leben gerne unter einem Dach.

Ulli Dittmar (Billerbeck)

Unter einem Dach selbstständig in Bewegung zu kommen, ist wirkungsvoller, als möglicherweise 

im Regen stehen gelassen zu werden.

Helga Schäferling (Donauwörth)

Im Regen stehen gelassen zu werden ist für denjenigen kein Problem, der mit einem Regenschirm vorgesorgt hat.

Nicht-Dornröschen-sondern-ein-anderes-Märchen.

 

Ein Männlein steht im Walde und hampelt herum. Der rote Glitteranzug reflektiert die Lichter von Feenstäben, Zwergenhandys, Gnomenlaternen Elfenfunkeln und Elbenlichtern . Was das Männlein im Geblinke zu sagen hat ist belanglos. Darum singt es den Text. Das hört sich besser an: „Schön ist die Welt“ und „Schenk noch einmal ein – das Glas ist noch halb voll“.

 

Ein anderes Wesen tief im Wald, von den Völkern der Region als Schrat bezeichnet, steht aschgrau gewandet auf einem Baumstumpf und verkündet die Idee, wie die Welt noch zu retten ist.

 

Einzig ein Eichhorn, das zufällig auf der Suche nach Biotannenzapfenkernen fündig geworden ist, lauscht kopfnickend den weisen Worten. Sonst hört natürlich kein Schwein zu. Nur Sternenglanz und das abgeschiedene Licht einer Supernova beleuchtet matt die Szene.

 

Während die Welt langsam in die Knie geht, singt fern das Volk gemeinsam mit dem Glittermmännlein den Refrain des Liedes: „Wir lassen uns das Leben nicht vermiesen.“

 

Betrübt vor Liebeskummer verläßt eine kleine Fee das Volksfest, find in ihren düsteren Gedanken natürlich den Schrat, lauscht und denkt: „Hier kann ich helfen.“

 

Doch just in diesem Moment, als sie den Zauberstab schwingen will, ertönt Gottes mächtige Stimme mit den Worten: „Es werde Licht!“ und …

U. Dittmar

 

Ein Kater in Sandalen

 Na gut! Rundum zufrieden. Und doch wäre es besser gewesen, in mein Wochenendschuh zu fahren, die Schuhbänder aufzurollen und die Absätze zu wichsen, als mich um Verliebtsein, um blonde Dauerwellen oder dunkelblaue Pullover zu kümmern.

 

Lächerliche Szenen, hemmungslose Erpressungen, abgelegte Gedanken. Die nächste Flasche Bier und eine Kopfmassage vielleicht – bitte schön.

 

Mein Schuh ist meine Sandale, nicht die Rückkehr in die embryonale Phase: warm und weich, meine Dame.

 

Wenn Phantome nicht Phantome, oder zumindest greifbar wären. Beinahe zufrieden, wenn diese Kleinigkeit von Exzess nicht seinen Weg gefunden hätte. Much to young for Rock’n Roll. Wie?

 

Aber bitte mein Herr: etwas mehr Disziplin. Da ist die Freiheit nicht mehr zu trennen. Nur ein Versuch, weil auch ungewollte Blondheit seine Reize hat. Es bleibt der Ethos! Ein Prosit drauf, dass noch ein-zwei Jahre vergehen – gelebte Jahre, versteht sich, in der Summe.

 

„Hör mal zu mein Junge!“ - der Alte geht mir auf den Sack mit seinem Gestammel. „Hör ma‘ zu“, sagt er aus seiner abgetragenen Jacke und den ausgebeulten Hosen. „Hat deine Begleitung nix zu sagen?“ Oder „Is‘ doch alles ganz einfach.“

Von wegen!

 

Eigentlich sei alles nur eine Sache der Überwindung und des ‚Sich-endlich-mal-was-Zutrauens‘. Aber mach das mal.

 

Egal. Ich fühle mich ganz wohl hier. Trotz blödsinniger Gedanken und irgendwelcher persönlicher Träume, die man zumindest erzählen kann. Schön, dass wir darüber geredet haben.

 

„Warum? Es ist in unser Aller Interesse. Wir wollen verstehen“, sagt sie.

 

Stumm schreit es raumfüllend aus mir heraus: „ICH hab Lust! Lust auf Zärtlichkeit!“

 

Wie eine kryptische Schrift entziffere ich die Warnung: Die Tauben hängen zu hoch! Die Schatten fallen tief! „Hast du gestern nicht erzählt.“ „Unmöglich. Ich war gestern allein (oder werde auch morgen wieder allein sein wollen). Gib mir einen Gedanken.“

 

„Aber immer diese langen Haare.“

 

„Mein Herr. Ihre Eloquenz läßt zu wünschen übrig. Ein Wort unter uns: Bitte drosseln Sie sich. Es ist zwar unmöglich, aber man versteht sie nicht.“

 

Oh, man. Da liegt Gefahr in ihren Worten. Man kann sie begreifen. Die Worte. Nicht sie. Ihr Bedürfnis nach distanzierter Zärtlichkeit außerhalb des Textes könnte beantwortet werden.

 

Aber da war noch diese Mieze mit der Lippenstift verschmierten Grinse. Ordinär. Und ich stand auf und warf mein volles Glas Bier über ihren Satinschoß, sagte: „Das war’s mein Schätzchen!“ Sah mich um und erkannte die imaginäre Treppe vor mir, stieg auf zum Rattanthron. Wer saß dort? Meine Isis.

 

„Bitte hören Sie auf. Geh’n Sie. Nein. Sie bleiben besser.“ Nackte Haut und dann die Finger. Was gibt es Schöneres. „Bitte! Ich bin feucht und schwach. Ich weiß nicht mehr was ich sagen soll.“

 

Dichterworte könnten das. „Dichterworte, ja. Aber entschuldigen Sie, mein Herr. Dicht bin ich nicht, denn ich wäre sonst nicht feucht.“

 

Ich verbiete mir meine Gedanken. Schmutz dieser Art würde ich mich weigern, auf der Leinwand zu sehen.

 

„Nur zu, meine Dame. Schnüren Sie ihr Korsett nur enger. Frei ist nur der Gefangene. Sie sagen Freiheit und denken Frei sei nur der Gedanke? Entschuldigen sie nicht meine Gedanken an nackte Haut und Küsse. Ich glaube, ich weiß, mir ist es verboten. Nur geben Sie mir ein Zeichen ihres vor sich selbst geheim gehaltenen Verständnisses. Mir liegt es nicht fern, sie bekehren zu wollen. Doch ich will sie nicht nötigen.“

 

„Mein Herr! Ich distanziere mich von Ihnen.“

 

Und dazu noch die scheuen Berührungen in City-Cafés, ohne Sinn mit Rückkehr in meinen Raum: Wände anstarren und lachen und dann Schluss. Wie Suzi Creamcheese sagt: „Forget it!“

 

„Ich lache niemals über Worte, mein Herr. Es gibt nur Hass und Liebe."

 

Bevor die leuchtenden Augen der schwarzen Katze den Raum erhellen, erhebt sie sich gemächlich und verlässt die Loge.

Ulrich Dittmar

 

 

Der (un)reine Reim:

Der Spinner sitzt am Boden

und kratzt sich am Hoden.

 

Als er (sich) aufspielte, wie ein eitler Gockel fiel er von der Tonleiter und landete auf dem Mist.

 

Antiidiotika

für Intelligenzbestien.

Helmut Peters

 

 

Fleischeslust

Er liebte ihre Hände und ihr Gesicht,  ihren Busen und ihren wohlgeformten Po.

Aber eines mehr als alles andere: Ihre Frikadellen.

Wilfried Besser

 

Halali

Der Jäger mit dem Tutehorn,

der ist so gut zum Hasen.

Nachdem er ihn erschossen hat,

tut er ihm einen blasen.

 Wilfried Besser

 

Des Hasen Ende

Der Förster spricht im Nadelwald:

heut mach ich einen Hasen kalt.

Er zielt genau, die Büchse knallt

so dass es durch die Bäume schallt,

und jählings endet mit Gewalt

des Hasen Leben, aber halt!

Bevor er sinkt ins kühle Grab

gibt er noch schnell die Löffel ab.

Wilfried Besser